20.01 supernatural

skulpturale visionen des körperlichen

kunsthalle tübingen

supernatural
83 skulp­turen aus der serie wesen, 1997-2020

die ausstellung super natural gibt antworten aus dem bereich der hyper­rea­lis­ti­schen und realis­ti­schen skulptur. die zukunfts­wei­senden werke reflek­tieren nicht nur auswir­kungen der digitalen revolution und der gentechnik auf den „posthu­manen“ menschen und die umwelt, sondern veran­schau­lichen auch durch hybride eigen­schöp­fungen, dass die grenzen zwischen natur und kultur heute fließend geworden sind. auch bei der entwicklung neuester hyper­rea­lis­ti­scher skulp­turen kommen zunehmend technische innova­tionen zum tragen. indem die künst­le­rinnen und künstler ihre herstel­lungs­ver­fahren mittels 3d-druck perfek­tio­nieren und die skulp­tu­ralen grenzen in richtung robotik und synthe­tische biologie erweitern, eröffnen sich damit nicht zuletzt auch für sie neue gestal­tungs­mög­lich­keiten zwischen artefakt, biologie und technik.

in den werken von reiner maria matysik (1967) verbindet sich kunst und biologie. der künstler gilt als pionier der „bio-art“. diese bewegung entwi­ckelt sich in den 1980er jahren und vereint verfahren der biotech­no­logie mit künst­le­ri­schen praktiken. seit 1997 entwirft matysik eine serie von präzise, bis in einzel­heiten ausge­formte plastiken, die modelle von zukünf­tigen lebewesen darstellen. diese wesen sind aus farbigem material gearbeitete gebilde. in den detail­lierten beschrei­bungen, die matysik für jedes modell anfertigt, erfahren wir mehr über ihre merkmale, funktionen und verwandt­schafts­be­zie­hungen zu anderen wesen. die wesen sind zunächst proto­typen von lebenden organismen, die angepasst an die heraus­for­de­rungen des lebens auf der erde entworfen werden. sie weisen beispiels­weise neue formen der energie­ge­winnung, der kommu­ni­kation oder fortpflanzung auf. im labor könnten die modelle als lebende organismen ‚nachgebaut‘ werden. matysik beschreibt sein vorgehen als „aktive evolution“, da sie vom menschen ausge­führt wird. haben sich die wesen in ihrer umwelt einmal einge­funden, kann der mensch sie nicht mehr kontrol­lieren. für matysik ist die „aktive evolution“ ein teil einer neuen qualität, die die bereits vorhan­denen, sich ständig verän­dernden prozesse, die das leben auf der erde gestalten, erweitert. er erwartet, dass, wenn sich die grenzen zwischen mensch, tier, pflanze und anderen gattungen des natur­reiches zunehmend auflösen, sich auch die stellung des menschen radikal verändern wird.

LMM

83 sculp­tures from the series wesen, 1997-2020

the exhibition super natural provides answers from the field of hyper­rea­listic and realistic sculpture. the trend-setting works not only reflect the effects of the digital revolution and genetic engineering on the »posthuman« human being and the environment, but also illus­trate through hybrid creations of their own that the boundaries between nature and culture have become fluid today. the develo­pment of the latest hyper­rea­listic sculp­tures also incre­a­singly involves technical innova­tions. by perfecting their production processes using 3d printing and expanding the sculp­tural boundaries in the direction of robotics and synthetic biology, the artists open up new design possi­bi­lities between artefact, biology and technology, not least for themselves.

the works of reiner maria matysik (1967) combine art and biology. the artist is consi­dered a pioneer of »bio-art«. this movement developed in the 1980s and combines biotech­no­lo­gical processes with artistic practices. since 1997, matysik has been designing a series of precise sculp­tures, shaped down to the last detail, which represent models of future living beings. these creatures are made of coloured material. in the detailed descrip­tions that matysik creates for each model, we learn more about their charac­te­ristics, functions and relati­onships to other creatures. the creatures are initially proto­types of living organisms that are designed to meet the challenges of life on earth. for example, they have new forms of energy production, commu­ni­cation or repro­duction. in the laboratory, the models could be ›recreated‹ as living organisms. matysik describes his approach as »active evolution«, since it is carried out by humans. once the creatures have settled into their environment, humans can no longer control them. for matysik, ›active evolution‹ is part of a new quality that expands the already existing, ever-changing processes that shape life on earth. he expects that as the boundaries between humans, animals, plants and other species of the natural kingdom incre­a­singly dissolve, the position of humans will also radically change.

LMM